Mitarbeiter mit Burnout, eine große personelle Fluktuation, häufige Krankmeldungen - all das sind Schwierigkeiten, mit denen Arbeitnehmer im psychosozialen Bereich zu kämpfen haben. Denn den ganzen Tag nur zu helfen und dabei oftmals über die eigenen Grenzen zu gehen, betrifft nicht nur Ergo- und Physiotherapeuten, sondern ebenso Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegekräfte oder Sozialarbeiter. In den vergangenen Jahren ist rund um das Thema Achtsamkeit generell ein verstärktes Interesse entbrannt: Es zeigt sich, dass sie ein probates Mittel sein kann, um den Praxis- oder Klinikalltag zu entschleunigen und die Freude am Beruf zu erhalten.
Beugt Achtsamkeit der eigenen Erschöpfung vor?
Der therapeutische Praxisalltag ist oft eng getaktet und verlangt Therapeuten ein hohes Maß an Energie und mentaler Präsenz ab. Um diese Anforderungen gesund zu meistern und Erschöpfung vorzubeugen, suchen viele Fachkräfte nach unterstützenden Strategien. Achtsamkeit bietet hierbei einen wertvollen Ansatz: Sie stabilisiert nicht nur die eigene innere Balance, sondern verbessert auch die Qualität der Patientenbehandlung. Doch wie lassen sich Achtsamkeitsübungen praktisch in einen vollen Terminkalender integrieren? Hier sind spezifische Übungen und Haltungen, die sich für Therapeuten besonders gut eignen (1).
Wie schaffe ich Achtsamkeitsinseln im Alltag?
1. Achtsamkeit im laufenden Betrieb:
Informelle Übungen sind besonders niedrigschwellig, da sie keine zusätzliche Zeit erfordern (2). Stattdessen werden alltägliche Handlungen, die wir oft unbewusst auf "Autopilot" ausführen, mit einer neuen, wachen Haltung versehen (3).
- Achtsame Alltagshandlungen: Ob es das bewusste Essen in der Mittagspause, das Händewaschen zwischen zwei Patienten oder das Autofahren ist – all diese Routinen können als kleine Achtsamkeitsinseln genutzt werden (2).
- Achtsames Gehen: Die kurzen Wege in der Praxis, wie etwa der Gang ins Wartezimmer, zum Waschbecken oder zum Auto, eignen sich hervorragend, um das Gehen mit einem ruhigen Geist zu koppeln (4). Wenn das Wetter es zulässt, kann eine Therapiestunde auch mit einem gemeinsamen achtsamen Spaziergang im Freien begonnen werden, um den Kopf frei zu bekommen und ganz im gegenwärtigen Moment anzukommen (4, 5).
Wie lade ich Zuhause meine Batterien auf?
2. Bewusste Trainingszeiten für die innere Batterie:
Auch wenn die Zeit oft knapp ist, bilden strukturierte, formelle Übungen das Fundament, um die eigene Aufmerksamkeit zu schulen.
- Sitzmeditation und Atemübungen: In einer stabilen, aufgerichteten und würdevollen Position wird die Aufmerksamkeit auf das Ein- und Ausströmen des Atems gelenkt (6). Auftauchende Gedanken werden wie vorbeiziehende Wolken am Himmel betrachtet, ohne sie zu bewerten (6, 7). Solche Übungen können beispielsweise morgens vor Arbeitsbeginn durchgeführt werden, um gut geerdet in den Tag zu starten (8).
- Body-Scan: Bei dieser Körperwahrnehmungsübung wandert die Aufmerksamkeit schrittweise durch den gesamten Körper, um ein differenzierteres Körperbewusstsein zu erlangen und eventuellen Anspannungen wohlwollend zu begegnen (2, 9, 10),.
- Achtsame Bewegung: Aktivere Meditationsformen wie Yoga, Qi Gong oder Tai Chi verbinden fließende Bewegungen mit Konzentration und helfen besonders unruhigen Geistern, zentrierter zu werden (5, 2).
- Praxis-Tipp: Für den ergotherapeutischen Arbeitsalltag wurde beispielsweise das Konzept "ERGO-CARE" entwickelt, das beweist, dass schon kurze Einheiten effektiv sind (11). Es fordert täglich maximal zehn Minuten für eine Hauptübung, ergänzt durch einen kleinen Alltagsimpuls, der die Therapeuten immer wieder ins Hier und Jetzt zurückholt (11).
Weshalb wird so die therapeutische Beziehung verbessert?
3. Im Patientenkontakt:
Achtsamkeit ist keine reine Selbstzweck-Technik (12). Sie entfaltet ihre größte Kraft direkt in der Begegnung mit dem Patienten.
- Körperliche Präsenz in der Behandlung: Bei manuellen Behandlungen sollte der Therapeut versuchen, ganz präsent zu sein (13). Das bedeutet: Sich gut erden, den Atem frei fließen lassen, unnötige muskuläre Anspannungen im eigenen Körper vermeiden und mit der Konzentration voll und ganz "in den Fingern" und beim Spüren zu sein (13).
- Patienten einbinden: Auch wenn der Patient auf der Behandlungsbank körperlich passiv ist, kann er vom Therapeuten dazu eingeladen werden, geistig wach zu bleiben und seine Aufmerksamkeit auf Körperempfindungen und den eigenen Atem zu richten (13).
- Achtsamer Umgang mit Schmerz: Bei Schmerzpatienten kann Achtsamkeit helfen, die starke Identifikation mit dem Schmerz ("Ich bin der Schmerz") zu verringern (9). Der Patient lernt, den Schmerz aus einer annehmenden Beobachterperspektive zu betrachten, ohne reflexartig dagegen anzukämpfen. Sich dem Schmerz auf diese mitfühlende Art anzunähern (9,14), kann die erlebte Belastung deutlich lindern, da der betroffene Körperteil nicht mehr länger innerlich bekämpft wird (9).
Wer Achtsamkeit nicht als neue Methode lernt, sondern als grundlegende innere "Art zu Sein" begreift, kann sie effektiv und ressourcenschonend in den Therapiealltag einbauen. Schon kurze, bewusste Momente der Präsenz schützen Therapeuten vor Erschöpfung und schaffen gleichzeitig einen fokussierteren, heilsameren Raum für den Patienten (12). Die regelmäßige Achtsamkeitspraxis kann die Präsenz am Patienten verbessern und dazu führen, dass der Therapeut noch besser auf seinen Patienten eingehen kann, ohne sich selbst dabei auszupowern. Das verbessert oft die therapeutische Beziehung und hilft dem Therapeuten gleichzeitig dabei, mit belastenden Situationen und Hektik im Berufsalltag klarzukommen.
Warum eignet sich der Hausbesuch optimal?
Im “Jetzt” ankommen, gemeinsam ein paar Mal tief durchatmen und ohne Stress ein paar Achtsamkeitstechniken einbauen, hierfür eignet sich der Hausbesuch perfekt. Bei Bunz mobile Ergo und Bunz mobile Physio sind für jeden Hausbesuch volle 60 Minuten eingeplant. Diese Taktung bietet definitiv genügend Zeit, sich auf den Patienten intensiv einzulassen. Die Patienten kommen zur Ruhe und öffnen sich der Therapie ganz entspannt. Also das optimale Setting für den therapeutischen Erfolg!
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Wissenschaftliche Quellenangaben
(12) Heimerer Akademie. (o. J.). Achtsamkeit - Haltung und Methode für die psychisch-funktionelle Ergotherapie (PsychErgo-Konzept).
(3, 15, 4, 5) Hick, S. F., & Bien, T. (Hrsg.). (o. J.). Achtsamkeit in der therapeutischen Beziehung. Arbor Verlag. (Hieraus insbesondere Kapitel 13: Shafir, R. Achtsames Zuhören bringt bessere Erfolge sowie Einleitung von Hick, S.F.).