Gemeinsam sind sie stark!

Ergo- und Physiotherapie: Ein unschlagbares Team für den Alltag

Manchmal ist es gar nicht so leicht, im Dschungel der Gesundheitsberufe den Durchblick zu behalten. Besonders Ergotherapie und Physiotherapie werden oft in einem Atemzug genannt. Das ist kein Wunder, denn beide sind ärztlich verordnete Heilmittel und verfolgen ein großes, gemeinsames Ziel: Sie unterstützen Menschen dabei, ihre Gesundheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit zu verbessern. Doch wo genau verlaufen die feinen Grenzen und an welchen Punkten verschmelzen die beiden Berufsgruppen zu einem großen Ganzen?

Ganz vereinfacht gesagt unterscheiden sich die beiden Professionen in ihrem grundlegenden Fokus: Die Physiotherapie arbeitet primär funktionsorientiert, während die Ergotherapie einen handlungsorientierten Ansatz mit Alltagsbezug wählt.

  • Die Physiotherapie kümmert sich in der Regel um die Mechanik und die Funktionen des Körpers. Hier stehen Faktoren wie Beweglichkeit, Kraft, Belastbarkeit und die allgemeine Qualität von Bewegungen im Vordergrund.
  • Die Ergotherapie knüpft genau dort an und richtet den Blick darauf, wie diese körperlichen Funktionen konkret im Alltag genutzt werden können. Es geht um die gesellschaftliche Teilhabe und die Eigenständigkeit bei alltäglichen Handlungen.

In welchen Bereichen gibt es Überschneidungen?

Da der Mensch aber ein komplexes System ist und nicht aus isolierten Bauteilen besteht, greifen beide Disziplinen in der Praxis fließend ineinander über. Die Überschneidungen sind vielfältig und gewollt. Beide Berufsgruppen bedienen sich in der Behandlung oftmals derselben bewährten medizinischen und therapeutischen Konzepte, um beispielsweise Bewegungsabläufe auf neurologischer Ebene wieder anzubahnen. Auch der Einsatz von manuellen und physikalischen Techniken zur Mobilisierung von Gelenken oder Gewebe findet sich in beiden Therapieformen wieder. Im Kern haben beide Professionen zum Ziel, körperliche Einschränkungen zu reduzieren und das funktionelle Verhalten der Patienten so zu optimieren, dass Einschränkungen minimiert werden.

Wie funktioniert die Arbeit im Teamwork?

Damit im Behandlungsalltag von beiden Seiten bestmöglich therapiert wird, ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich. “Vor allem in der Rehabilitation erhalten viele Patienten sowohl Ergo- als auch Physiotherapie. Was nach unterschiedlicher Therapie aussieht, hat zumindest das gleiche Ziel”, schreibt die Physiopraxis in ihrem Artikel “Physios und Ergos Hand in Hand” (Nicola Moll, erschienen in "physiopraxis", Ausgabe 07/2003, der Fachzeitschrift des " Thieme Verlags). Die Physiopraxis beschreibt das gut. Beispielsweise backe der Ergotherapeut mit dem Patienten einen Kuchen. Die Gesichtspunkte seien: die Orientierung im Raum, die Verbesserung von Alltagsaktivitäten in der Küche und Förderung der Feinmotorik. Die Selbstständigkeit des Patienten solle wachsen. Das möchte der Physiotherapeut auch, nur heißen seine Teilziele anders: zum Beispiel Verbesserung der Rumpfstabilität. “Stimmen Physio- und Ergotherapeut Behandlungsinhalte ab, könnten sie dem Patienten die optimale Therapie bieten. Der Physiotherapeut beübt gezielt die Rumpfmuskulatur, so dass der Ergotherapeut mit dem Patienten am Küchentisch im Stehen arbeiten kann.” Als Leser versteht man anhand des Beispiels gut, wie Ergos und Physios aus zwei unterschiedlichen Richtungen kommend dasselbe Ziel erreichen.

Ergänzen sich die beiden Therapieformen?

Nun ist klar, Ergo- und Physiotherapie ergänzen sich wunderbar! In vielen Fällen nehmen sie aufeinander Bezug und bauen regelrecht aufeinander auf. Das betont auch der Blog-Beitrag Unterschied Ergo Physio  der Seite Bohmann Ergotherapie: “So kann beispielsweise eine Funktionsverbesserung, die in der Physiotherapie erarbeitet wurde, in der Ergotherapie für eine Alltagshandlung genutzt werden.” Insbesondere in Rehaeinrichtungen gehen beide Therapieformen häufig Hand in Hand. Ein Funktionsgewinn, der in der Physiotherapie erarbeitet wurde, kann nahtlos in der Ergotherapie aufgegriffen und in alltagsrelevante Handlungen integriert werden. In hochspezialisierten Reha-Bereichen kommt es sogar vor, dass Ergos und Physios zeitgleich im Rahmen sogenannter „Doppeltherapien“ gemeinsam am Patienten arbeiten. Dies intensiviert nicht nur den Behandlungserfolg, sondern fördert auch ein starkes interprofessionelles Voneinander-Lernen.

Wie stimmen sich die Fachrichtungen ab?

Um fachlich nicht aneinander vorbeizureden, nutzen beide Disziplinen idealerweise die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO . Diese Klassifikation liefert einen gemeinsamen, ressourcenorientierten Bezugsrahmen und hat feste Bezeichnungen für die Diagnosen beziehungsweise ihre Abstufungen. Klar, die Sicht auf die Dinge ist unterschiedlich, doch beide betrachten dabei dasselbe ganzheitliche Modell des Menschen. Während die Physiotherapie ihren Fokus tendenziell auf die Ebene der Körperfunktionen und -strukturen richtet, schaut die Ergotherapie verstärkt auf die Ebene der Aktivitäten und Teilhabe. Ein regelmäßiger fachlicher Austausch ermöglicht es, Therapieziele perfekt aufeinander abzustimmen.

So kann ein starkes Netzwerk entstehen!

Letztendlich sind Ergo- und Physiotherapie wie zwei Puzzleteile, die perfekt ineinander passen. Wenn beide Seiten ihre Stärken bündeln, sich regelmäßig abstimmen und eine gemeinsame Sprache sprechen, entsteht ein starkes Netzwerk. Dies sorgt für einen reibungslosen, planbaren Therapieverlauf und garantiert, dass Fortschritte nicht nur isoliert in der Praxis sichtbar werden, sondern dauerhaft im echten Leben ankommen.

Eine freundliche Frau sitzt im Büro vor ihrem Computer.
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