Tanja Schütz 03.07.2017

Verdienst Teil 2: In der Physio ist Stundenlohn nicht gleich Stundenlohn

Physiotherapeuten verdienen von Haus aus nicht üppig. Doch wer genau hinsieht, stellt zudem fest: Stundenlohn ist nicht gleich Stundenlohn. Am Ende bleibt unterschiedlich viel. Woran liegt es?

In umfangreicher Recherche haben wir vier Faktoren herausgearbeitet, die die Gehälter von Physiotherapeuten und -therapeutinnen in Deutschland stark beeinflussen:
  • regionale Unterschiede
  • selbständig oder angestellt
  • Qualifikationen
  • Alter
....hinzu kommt noch eine gute Portion Verhandlungsgeschick ;-)

Vergangene Woche drehte sich unser Beitrag darum, wie sehr der Verdienst von Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen von der jeweiligen Region abhängt, in der sie leben und arbeiten. Besonders auffällig war dabei das Ost-West-Gefälle. Im Südwesten verdienten die Therapeuten am besten, ausführlich nachzulesen im ersten Teil unserer Serie zum Thema Gehalt "Einkommen als Physiotherapeut abhängig von der Region".

Wie viel allerdings am Ende im Geldbeutel landet, darüber entscheidet nicht nur die Region, sondern auch, ob der Physiotherapeut selbständig oder angestellt arbeitet.

Stundenlohn im Durchschnitt

Angestellte Physiotherapeuten und -therapeutinnen kommen auf einen Stundenlohn von 11,46 Euro bei einer 40 Stundenwoche. Soweit zum bundesweiten Durchschnitt. Auch hier gelten die regionalen Abweichungen: beispielsweise Köln mit 13,10 Euro, Berlin mit 12,80 Euro und München mit 14,40 Euro pro Stunde.

Krankenkassen beeinflussen den Umsatz

Hat man sich für eine eigene Praxis entschieden, bestimmen Auftragslage und damit der Umsatz den Verdienst. Als selbständiger Physiotherapeut hat man stets ein variables Gehalt, das von der Wirtschaftslage und dem Patientenstamm abhängig ist. Übrigens: In der Regel rechnet man nicht mit dem Patienten selbst, sondern mit dessen Krankenkasse ab. Daher wird auch der Umsatz von diesen beeinflusst. Wieviel und was die Kassen vergüten, kann von Jahr zu Jahr schwanken.

Kassenpatienten: maximal 30 Euro pro Stunde

Aktuell zahlen die Krankenkassen für eine Behandlungseinheit (20 Minuten) durchschnittlich zehn Euro. Auf die Stunde gerechnet können also mit gesetzlich versicherten Patienten maximal 30 Euro pro Stunde verdient werden. Dann hetzt man aber von Behandlungsbank zu Behandlungsbank. Da es fast alle Physiotherapeuten schätzen, Zeit für den Patienten zu haben, ziehen viele einen 30-minütigen Behandlungstakt vor, auch wenn das für sie finanzielle Einbußen bedeutet.

Privatversicherte: rund 40 Euro pro Stunde

Etwas besser zahlen die privaten Krankenkassen. Sie vergüten im Normalfall 25 Euro pro Behandlung. Schafft man es tatsächlich, drei Privatpatienten pro Stunde zu therapieren, wären im Optimalfall 75 Euro verdient - bei einem 30-Minuten-Takt jedoch nur 50 Euro. Natürlich ist man als Selbständiger nicht an die Erstattungssätze der Versicherungen gebunden und kann seine Preise selbst festlegen.

Blick auf Nachbarländer

Interessant ist im Zusammenhang mit der Krankenkassen-Abrechnung der Blick auf die Nachbarländer: In Deutschland erstattet die Krankenkasse nach den jeweiligen Posten, dem sogenannten Gebührenkatalog, in Österreich und in Italien dagegen ausschließlich nach Zeit.

Umsatz ist nicht gleich Verdienst

Bei all den Berechnungen in puncto Selbständigkeit muss natürlich bedacht werden: Die Zahlen, über die wir hier sprechen, sind der Umsatz. Von diesem gehen Miete, möglicherweise Mitarbeiterkosten, Versicherungen, Materialkosten und Steuern ab. Wer als Selbständiger in einer Praxis mitarbeitet, die ihm nicht gehört, gibt bis zu 40 Prozent Umsatzbeteiligung an den Praxisinhaber ab. Blöd, wenn der Chef dann bei der Anmeldung auch noch die Privatpatienten überwiegend in seinen eigenen Terminkalender einträgt.

Verwaltungsarbeit delegieren

“Viele selbständige Physiotherapeuten kalkulieren nicht mit ein, wieviel Zeit sie nebenher für die Büroarbeiten aufwenden müssen. Deshalb ist der Stundenlohn für Angestellte immer sehr ehrlich. Angestellte wissen genau, wieviel sie für eine bestimmte Anzahl an Stunden bekommen”, meint Wolfgang Bunz, Geschäftsführer von Bunz mobile Physio. Er ist überzeugt: Als Selbständiger macht es Sinn, möglichst viele Arbeiten, die mit Organisation und Verwaltung zusammenhängen, extern zu delegieren. “Dann hat man unterm Strich mehr Zeit fürs Therapieren. Und damit kann man mehr Geld verdienen, als wenn man die Zeit in administrative Aufgaben steckt.”

Stundenlohn ehrlich kalkulieren

Rechnet man all die Stunden am Schreibtisch für Verwaltung und Organisation ehrlich hinzu, schrumpft der Stundenlohn bei Selbständigen nämlich erheblich. “Da ist es doch viel schöner, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu dürfen. Viele Physiotherapeuten arbeiten als Selbständige genau deshalb so gerne in unserem Team, weil wir ihnen all die administrativen Aufgaben abnehmen”, ist die Erfahrung von Wolfgang Bunz.

Einfach nur therapieren

Das bestätigt Michaela Grund, die in München sowohl in einer Praxis als auch freiberuflich für Bunz mobile Physio tätig ist: “Ich muss mich weder in der Praxis noch bei Bunz mobile Physio um Organisation und Abrechnung kümmern. Das können andere schneller und besser. Ich darf einfach nur therapieren - das, was ich am besten kann.” Ferner schätzt sie die 30-Minuten-Taktung in der Praxis sowie die vollen 60 Minuten, die sie bei den Hausbesuchen für Bunz mobile Physio Zeit mit den Patienten hat. So weit zum Für und Wider selbständig oder angestellt arbeiten. Im nächsten Beitrag geht es dann um Qualifikationen, Alter und somit Berufserfahrung. Mehr demnächst in unserem Blog.

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