Tanja Schütz 14.06.2018

Die Branche steht Kopf: Schneider in Berlin wie ein Held gefeiert

Heiko Schneider hat die Tour gewonnen, bei der er gegen niemanden aber für viele antrat. Der Physiotherapeut fuhr mit dem Fahrrad rund 600 Kilometer von Frankfurt nach Berlin - ohne physische Konkurrenten, dafür mit vielen, vielen hundert Mitstreitern. Mit seiner “Therapeuten-am-Limit”-Tour machte er spektakulär auf die miesen Arbeitsbedingungen in der Physiotherapie aufmerksam.

Als Heiko Schneider mit dem Rad das Bundesgesundheitsministerium erreichte, lagen knapp 600 Kilometer Wegstrecke hinter ihm: So weit ist der Physiotherapeut gestrampelt - von seiner Heimatstadt Frankfurt bis nach Berlin, um seinen Ärger über die Gesundheitspolitik direkt beim zuständigen Ministerium kundzutun und die rund 1000 Protestbriefe seiner Kolleginnen und Kollegen zu übergeben.

Physiotherapeuten feierten ihren Helden

Der Empfang in der Hauptstadt, die er nach acht Tages-Etappen erreichte, war lautstark: Mit Trillerpfeifgen und Jubelrufen feierten rund 1000 Berufskollegen aus vielen Teilen Deutschlands ihren ganz persönlichen Helden. Endlich war da jemand, der sich für sie und ihre Berufsgruppe einsetzt! Von diesem herzlichen Empfang zu Tränen gerührt, brachte Heiko Schneider seine Mission dann in einem Satz auf den Punkt: “Wir waren viel zu lange am Limit - damit ist ab heute Schluss!” Brandender Applaus bei all den anwesenden Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen. Denn viele von ihnen, nicht nur Heiko Schneider, sind beruflich am Limit. “Therapeuten am Limit” nennt sich deshalb auch die Gruppe, die sich um ihn und die gleichnamige Internet-Plattform organisiert hat.

Drohende Insolvenz trotz vollen Terminkalenders

Die Initiative ging von Heiko Schneider aus, der um seine wirtschaftliche Existenz bangen muss. Er kann sich für seine Frankfurter Praxis keine Angestellten mehr finden und steht trotz vollen Terminkalenders und 10 Stunden täglicher Arbeit an der Bank vor der Insolvenz. Unglaublich, aber wahr!

Brandbriefe sorgten für Aufruhr in der Heilmittelbranche

Um auf die Missstände in der Gesundheitspolitik hinzuweisen, hatte er im März einen Protestbrief - er nennt es seinen Brandbrief - verfasst, in dem er fundiert die schlechten Arbeitsbedingungen seines Berufsstandes und die Schieflage im Gesundheitswesen beschreibt (wir berichteten). Kaum an Politik und Verbände verschickt und im Internet veröffentlicht, versetzte der Brandbrief die gesamte Heilmittelbranche in Aufruhr.


1000 Zuschriften von Kolleginnen und Kollegen

In rund 1000 Zuschriften klagten Kolleginnen und Kollegen Heiko Schneider ihr Leid und beschrieben ihre persönliche Situation. Sie alle bangen um ihre Existenz, weil ihr Verdienst weder zum Leben noch zum Überleben ihrer Praxen reicht. Und weil es kaum mehr Nachwuchs in ihrem Beruf gibt. Der Mangel an Fachkräften ist inzwischen eklatant, auch weil viele, viele Kollegen bereits abgewandert sind in andere Berufe, in denen sie selbst als ungelernte Kräfte mehr verdienen als in ihrem eigentlichen Beruf.

Rentables Arbeiten nicht möglich

Laut “Therapeuten am Limit” liegt das durchschnittliche Gehalt eines Physiotherapeuten nämlich nur bei rund 2080 Euro brutto. Bei Selbständigen sei das tatsächliche Einkommen meist nochmal deutlich niedriger, da sie zusätzlich für ihre teuren Fortbildungen, ihre Krankenversicherung und ihre Altersvorsorge aufkommen müssten. Eine Praxis gewinnbringend zu führen sei kaum mehr möglich, dafür sei die Vergütung durch die Krankenkassen zu schlecht. Hinzu kommen laufend steigende Nebenkosten bei Miete, Wasser und Strom, alles Faktoren, die ein rentables Arbeiten nicht ermöglichen. Bei einer Umfrage von “Therapeuten am Limit” beteiligten sich 3600 Kollegen aus der Heilmittelbranche. Das Ergebnis war erschreckend: Neun von zehn Befragten erreichen im Alter nicht einmal die Grundsicherung.

Physiotherapeuten feierten ihren Helden

Berührt von den unzähligen Zuschriften seiner Kolleginnen und Kollegen entschloss sich Heiko Schneider, die rund 1000 Briefe persönlich mit dem Fahrrad nach Berlin zu bringen. Er fand schnell Sponsoren und Unterstützer, die ihm halfen, “Therapeuten am Limit” zu organisieren. Nur dank vieler Hände und unendlich vieler ehrenamtlicher Arbeitsstunden konnte die Protest-Tour von “Therapeuten am Limit” derart groß werden und so letztlich zum durchschlagenden Erfolg führen.

Tour war ein durchschlagender Erfolg

Denn dass sie ein Erfolg war, darin sind sich alle einig. Auch wenn das Gesundheitsministerium Heiko Schneider abblitzen ließ und kein Gehör schenkte, er fand es letztlich dann doch im Gesundheitsausschuss. Dort konnte er seine Sorgen und Nöte vortragen und wurde ermuntert, weiter konsequent seine Ziele zu verfolgen. Denn Heiko Schneider klagt nicht nur, er hat eine konkrete Vorstellung, was sich ändern muss.

Schneider fordert Verbesserung der Rahmenbedingungen

Schneider und seine Kollegen fordern neben einer fairen Abrechnung der Krankenkassen außerdem, dass Physiotherapeuten ihre Aus- und Weiterbildungen nicht mehr komplett selbst zahlen müssen. “Jeder Mediziner bekommt sein Studium vom Staat bezahlt, obwohl er später viel besser gestellt ist als wir”, schüttelt der Frankfurter den Kopf.

Berliner Beamten haben jetzt erstmal Arbeit

Nachdem Heiko Schneider die 1000 Zuschriften, die er in die Landeshauptstadt gebracht hatte, nicht persönlich im Gesundheitsministerium abgeben konnte, versendeten er und seine Mitstreiter jeden einzelnen Brief postalisch. So bekommen die Schreiben eine Bearbeitungsnummer und müssen vom Gesundheitsministerium innerhalb einer festgelegten Frist beantwortet werden.

Bessere Bedingungen - Bessere Versorgung der Patienten

Sollte sich an den Rahmenbedingungen für die Heilmittelerbringer endlich etwas zum Positiven verändern, heißt das nicht nur Aufatmen in der Branche. Nein, es bringt auch konkrete Verbesserungen für die Patienten. “Denn die Unterfinanzierung in der Physiotherapie führt langfristig nur zu Mehrkosten im Gesundheitswesen. Heilmittelerbringer reduzieren die Pflegebedürftigkeit und können unnötige Operationen verhindern”, erläuterte Schneider. Zu lange Wartezeiten in der Versorgung der Patienten führen oft dazu, dass die Beschwerden nicht mehr eben schnell behoben werden können, sondern vielmals chronisch werden. Wir drücken im Sinne aller die Daumen!

Willkommen im Team

Auch künftig halten wir Euch auf dem Laufenden über weitere Aktionen und Fortschritte bei Therapeuten am Limit. Denn auch wir erleben als Arbeitgeber, dass Argumente wie Qualität, Freiheit, gute Bezahlung durchaus unsere Mitarbeiter überzeugen. Physiotherapie im Nebenjob bietet eine angenehme Gehaltsaufbesserung bei freier Zeiteinteilung und guter Bezahlung. Wir haben Jobs zu besetzen und möchten unser Team im gesamten Bundesgebiet gerne erweitern. Sind Sie interessiert? Auf diesen Seiten gibt es nähere Informationen über Bunz mobile Physio und unsere Mitarbeiter. Oder Sie nehmen einfach Kontakt mit uns auf.

Radeln nach Berlin: Wir sprengen die Ketten des Gesundheitssystems!

Heiko Schneider setzt sich selbst in Bewegung, um Bewegung in die Politik zu bringen. Er fährt mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Berlin, um im Deutschen Bundestag seinen Brandbrief und die vielen Briefe von Kollegen persönlich zu übergeben. Wir konnten den engagierten Physiotherapeuten, Initiator der Aktion “Therapeuten am Limit”, vorab sprechen.

Weiterlesen play_arrow
Tanja Schütz 16.05.2018
HIER INFORMIEREN