Tanja Schütz 27.04.2020

Corona ist oft das kleinere Risiko: Für manche Patienten zählt jeder Tag

Kristin Fischer sitzt an vorderster Front bei Bunz mobile Physio: Sie ist die erste Anlaufstelle für all die verzweifelte Patienten, die trotz der Corona-Krise dringend Physiotherapie benötigen: “Jeder Tag zählt für sie. Sie können nicht länger auf ihre Behandlung warten, sie benötigen jetzt dringend Hilfe.” Das ist auch vielen Medizinern bewusst, die die Risiken abwägen und trotz der aktuellen Situation Rezepte ausstellen. 

Oberschenkelhalsbruch, Schlaganfall, Krebserkrankung, künstliche Gelenke: Weg von den Einzelschicksalen hin zum großen Ganzen lässt sich genau ausmachen, woher der aktuelle Zustrom an Patienten derzeit kommt. Es finden wegen der Corona-Krise kaum mehr Rehas statt, die Patienten landen sozusagen unversorgt auf der Straße. Sie müssen sich die Reha irgendwie selbst organisieren, schwierig in Zeiten, in denen im Gesundheitssektor alles drunter und drüber geht.

Verunsicherung und Sorge sind groß

“Diese Menschen hängen völlig in der Luft. Sie sind verunsichert. Ärzte, Krankenhäuser, Rehakliniken und Physiotherapiepraxen sind oft nicht erreichbar. Sie wissen nicht mehr, wohin sie sich noch wenden können”, erzählt Kristin Fischer, Managerin des Front Desk bei Bunz mobile Physio. Genau dort - in ihrer Verunsicherung und Sorge - holt sie die Patienten ab und spürt regelrecht die Erleichterung, wenn sie ihnen allen Unbilden zum Trotz Termine im Hausbesuch anbieten kann. 

Jetzt wird wertvolle Zeit verloren: Jeder Tag zählt

Der zweite große Zustrom, den wir momentan versorgen, sind ältere Menschen. Senioren, die nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht fit für ein selbständiges Leben zu Hause sind und deshalb in der Kurzzeitpflege waren. Sie sind zu schwach, um ohne Hilfe zurecht zu kommen. “Wenn die Oma heute nicht mehr alleine aus dem Bett aufstehen kann, kann sie das in ein paar Wochen erst Recht nicht mehr. Da wird jetzt wertvolle Zeit verloren. Jeder Tag zählt für sie”, betont Kristin Fischer.

Diese Phase kann über die Zukunft entscheiden

Denn für viele Menschen entscheidet genau diese Phase darüber, ob sie weiter in ihren eigenen vier Wänden leben können oder doch in ein Pflegeheim gehen müssen. Die Versorgung jener Patienten verteilt sich normalerweise auf die ortsansässigen Praxen. Doch momentan sind viele geschlossen, die Patienten nicht versorgt - ein großes Problem für die bettlägerigen Patienten und deren Angehörige. 

Für manche ist Corona das kleinere Risiko

Die alten und immobilen Senioren, die zu Hause aufgebaut werden müssen, all die Schmerzpatienten, die wirklich am Limit sind, die frisch Operierten, die dringend Lymphdrainage benötigen, MS-Patienten, deren Zustand sich schnell verschlechtert: Sie alle können nicht warten, bis Corona kein Thema mehr ist. Sie haben schlichtweg keine Zeit zu verlieren und sind sich bewusst, dass Corona für sie das kleinere Risiko bedeutet. 

Priorität: Abwägung und Begrenzung von Risiko

“Der große Vorteil für unsere Patienten liegt darin, dass wir ausschließlich im Hausbesuch behandeln. Das mindert das Risiko einer Covid-19-Infektion ganz erheblich. In den Praxen begegnen sie zahlreichen anderen Menschen auf engem Raum, ebenso auf dem Weg dorthin. Wer von uns behandelt wird, darf zu Hause bleiben und kommt lediglich mit unserem Therapeuten in Kontakt”, sieht Geschäftsführer Wolfgang Bunz ganz klar eine Risikobegrenzung in unserem Behandlungsmodell. Das hat vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen eine große Bedeutung. Sie gelten am meisten als gefährdet und sind ja oft genau diejenigen, die jetzt auch Physiotherapie benötigen.

Auf den Ärzten lastet eine enorme Verantwortung

Unsere Physiotherapeuten können zwar das Risiko minimieren, die Entscheidung über eine Verordnung und somit die Risikoabwägung liegt jedoch im Ermessen des behandelnden Arztes. Er hat über die Dringlichkeit der Behandlung zu beurteilen und kennt die Diagnose seines Schützlings entsprechend, so dass er mit Augenmaß entscheiden kann. “Die Ärzte sind derzeit nicht zu beneiden. Auf ihnen lastet eine ganz enorme Verantwortung. Sie müssen abwägen, ob die Patienten weiter behandelt werden sollen oder die Therapie vorübergehend ausgesetzt werden kann. Dabei haben sie die möglichen Folgeschäden natürlich immer im Blick. Wer jetzt beispielsweise einen Schlaganfall hat, benötigt auch jetzt eine Therapie, nicht in einem Monat, da lassen sich die Folgeschäden meist nicht mehr beheben”, ist sich Wolfgang Bunz bewusst. Er schätzt die Zusammenarbeit mit den verordnenden Ärzten sehr, sie hätten die Dringlichkeit der einzelnen Fälle gut im Blick. Und schon jetzt sei zu spüren: “Je länger die Krise dauert, desto mehr kehren die Ärzte zu ihrem normalen Behandlungsmodus zurück.”

Sie brauchen Hilfe in dieser schwierigen Zeit?

Haben auch Sie massive gesundheitliche Probleme und finden keinen Physiotherapeuten in dieser schwierigen Zeit? Wir können Ihnen helfen, wenn die Behandlung medizinisch notwendig ist. Falls Sie selbst oder ein Angehöriger dringend eine Therapie im Hausbesuch benötigen, kontaktieren Sie uns gerne und holen sich alle Informationen, die Sie brauchen. Wir haben Teams in allen deutschen und österreichischen Großstädten, so dass unsere Physiotherapeuten auch kurzfristig verfügbar sind. 

Physiotherapie in Corona-Zeiten: Was ist in welchem Bundesland erlaubt?

Bayern hat als erstes Bundesland massive Einschränkungen zur Eindämmung von Covid-19 erlassen (Stand 23.03.2020). Weitere Bundesländer ziehen nach. Was bedeutet das für Patienten, die aus medizinischen Gründen dringend Physiotherapie benötigen? Ganz klar: Physiotherapie ist dann weiterhin gestattet. Wir listen auf, welche Regelungen aktuell in den einzelnen Bundesländern gelten.

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Tanja Schütz 24.03.2020

Physiotherapie Corona-Zeiten: Die Grundversorgung sicherstellen

Die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung trotz Corona sicher zu stellen hat oberste Priorität, auch für uns Physiotherapeuten. Wir müssen unnötige Kontakte vermeiden und dennoch dringende Fälle behandeln. Der Bedarf am Hausbesuch wächst täglich, da immer mehr Physiotherapie-Praxen und Reha-Zentren schließen.

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Tanja Schütz 18.03.2020
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